Fern ab der Norm, das noma und seine Teller

Fern ab der Norm, das noma und seine Teller

Sieben verschiedene Keramiker wurden beauftragt die neue Tellerserie für das im Februar 2018 an neuem Standort im Kopenhagener Stadtteil „Christiana“ eröffnete noma zu entwerfen. Nur zwei Dänen waren diesmal darunter. Wenige der Teller sind mit dem Wortlaut „noma“ gemarkt, alle sind eher von rauher Oberfläche. Hier ist die Innenseite des Deckels signiert, was natürlich die Verkäuflichkeit steigert wie die Auktion von 500 Objekten von Möbel über Teller bis hin zu Gläsern des alten nomas bei Wright in Chicago am 2. November 2017 gezeigt hat. Damals hatten die Vater und Sohn-Designer KH Würtz für das Keramikgeschirr mit charakteristischer Salzglasur gesorgt.

Fotocredit: Annette Ahrens, noma Kopenhagen, seeafood menu, 28. Februar 2018

Manch einen Kenner wundert, dass sie nicht wieder einen neuen Trend der modernen Tafelkultur gesetzt haben, wie etwa bei der Eröffnung des Lokals vor zehn Jahren. „Es sieht aus als hätten die Gäste selbst an der Töpferscheibe gesessen“ wie Christine Mortag in der Süddeutschen Zeitung  2016 mit Augenzwinkern bemerkt. Den Trend dieser groben, absichtlich unfertigen Keramiken sieht sie als Zeichen des wiederentdeckten Handwerkes. Auch im noma hat hat sich René Redzepi bewusst auf die bewährte skandinavische Ästhetik der 60er Jahre konzentiert. Es heisst, dass die Designbewussten Nordlichter durch ihre Naturnähe und die langen Winter sich das Naturverbundene gerne ins Haus nehmen. Daher entstanden ebenso die ersten Interieur Zeitschriften wie auch die Kultmarke IKEA in diesen Ländern.

Warum aber derbe Keramikteller zu feinen haute cuisine Speisen?

Der Massenware überdrüssig suche der heutige Kunde nach etwas Speziellem, Einzigartigem und das sei mit der Keramik und der oft nicht zu beeinflussenden Glasur gegeben. Mit der „Farm to table“ Bewegung hat ebenso die Kuh einen Namen wie eben auch der wilde Salat selbstgepflückt auf den selbstgedrehten Tellern Position bezieht. Die Farbigkeit der Keramiken im noma ist nicht nur in ihrer Abfolge stimmig sondern es gelingen vorallem zwischen Teller und Speise Zwiegespräche. Hier die Qualle, quasi in ihrem blauen Meereshabitat. Das weisse Vierblatt ist kein Dekor des Tellers sondern eine Art Sauerrahm.

Fotocredit: Annette Ahrens, noma Kopenhagen, seeafood menu, 28. Februar 2018

Mehr zum noma und seiner Erfolgsgeschichte im Film:

NOMA
(100 Min, Großbritannien 2016)
von Pierre Deschamps
mit: René Redzepi, Claus Meyer, Ferran Adriá, Paul Cunningham, dem Team des Noma u.a.
www.noma-derfilm.de
www.facebook.com/nomaderfilm/

 

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