Wie der laufende Hund aufs Rondo Titelblatt kommt?

Wie der laufende Hund aufs Rondo Titelblatt kommt?

Laufender Hund? Hunde gehören doch nicht auf den Tisch oder doch? Hier ist das wunderbare Ornament der Sektschale gemeint, welche die gebauchte Wandung des hinteren Glases ziert. Eigentlich kein laufender Hund sondern der klassische Mäander, denn der laufende Hund ist eine abgerundete Abwandlung dieses Frieses. Ein ganzes Service mit diesem klassischen Dekor füllt meine Geschirrschränke. Leider hat sie der Gläsertypus am wenigsten erhalten, welchen ich am meisten brauchen würde: Rotweingläser. Diese wurden wohl seit jeher viel verwendet und hatten die meisten Chancen zu Bruch zu gehen. Aber bei den Sektschalen habe ich ausreichend für viele Gäste, die sich meist ganz anders mit so einer offenen Schale verhalten. So meine Beobachtung. Irgendwie sind sie aufmerksamer, vielleicht erscheint es meinen Gästen festlicher. Wenngleich die Weinkenner empört sein müssen, dass die gewollten Bubbles den Inhalt noch rascher verlassen als gewünscht. In den letzten Jahren beobachte ich dennoch eine gesteigerte Nachfrage nach antiken Champagnerschalen, die hierzulande mal neben den Sektflöten zu jeden anständigen, denn umfangreichen Service gehörten. Dies beweist mein Blick in die alten Auftragsbücher der Firma Lobmeyr. Mich interessiert die Bezeichnung der einzelnen Gläsertypen am meisten: „Champagnergläser Tulpenform, Champagnergläser flache Form und Champagnerbecher“ gab es variabel. Die einfachen Becher schlugen nur halb so teuer zu Buche wie die Tulpengläser, nicht verwunderlich. Die erhaltenen Service aus der Jahrhundertwende zeigen meist beide Formen als zu einem Service gehörig wie ein Schleifglas-Preis-Courant von 1901 bestätigt. Stellt sich nun die Frage: Wer was aus welchem Glas trank?

Foto: Annette Ahrens bei Fa. Lobmeyr Wien, Formenkatalog, Ende 19. Jahrhundert

Foto: Fundus Annette Ahrens Tafelkultur, Champagner-Schalen aus: „Schleifglas-Preis-Courant S. Reich & Co, k.k. Priv. Glasfabrikanten, Wien II, Czerningasse 3 u 5“, datiert 1901

Der Katalog von 1901 zeigt den ähnlichen Dekor mit Meanderband wie mein abgebildeter Pokal.

Foto: Champagner-Becher aus: „Schleifglas-Preis-Courant S. Reich & Co, k.k. Priv. Glasfabrikanten, Wien II, Czerningasse 3 u 5“, datiert 1901

 S. Reich & Co

Die bereits 1838 von Salomon Reich gegründete Firma  S. Reich & Co hatte an folgenden Orten Fabriken in Mähren: Krasna, Charlottenhütte, Marienhütte in Gross-Karolwitz, Koritschan, Wsetin, Franzsikanerhütte in Gross-Karolowitz, Gaya und Hausbrünn bei Gewitsch-Jaromeric. Weiters wird eine Fabrik in der Steiermark, in Voitsberg, eine im russischen Polen, in Zawiercie und eine Glas-Raffinerie im böhmischen Haida und mährischen Jablunka erwähnt. Niederlagen werden im 1901 datierten Schleifglas-Courant in Berlin, Mailand, Amsterdam, Warschau, Neapel, Paris, London, New York und Morchenstern angegeben. Das Geschäft in der Margaretenstrasse 23, in Wien 6 hatte vor allem „Glas- und chem. pharm. Geräthschaften“ im Programm. Die Hauptniederlassung „sämmtlicher Etablissements“ befand sich in der Wien II, Czerningasse 3 u 5.

Mein Lieblingsglas ist allerdings eins mit hohlem Stiel, in welchem sich wunderbare Getränke inszenieren lassen. Auch hier ist der dickflüssigere Sirup des Granatapfels ein toller Kontrast zur prickelnden Oberfläche des Sprudels, in dem die Granatapfel-Kerne schwimmen. Schade dass ich nur zwei dieser wundervollen Gläser um 1900 in meinem Schatzkisterl hab. Aber immerhin reicht es für ein intimes tete-à-tete.

Ich danke Bianca Gusenbauer-Hoppe für ihre Idee auf meinen verleihbaren Fundus für ihre Rondo-Geschichte zurückzugreifen. Petra Eder als stellvertretende Ressortleitung vom Rondo/ Lifestyle/ Reise danke ich für ihren Besuch als auch ihre Begeisterung Vergangenes mit Zeitgenössischem zu kombinieren.

Rezept anbei:
Aperitif: KIR LOVE
Zutaten für 4-6 Personen
Arbeitszeit 5 Min.

300 ml Granatapfelsaft 3 EL Kristallzucker ½ Vanilleschote (der Länge nach aufgeschnitten, inkl. des ausgekratzten Marks) 4 Kardamomkapseln ½ Zimtstange Granatapfel, Minze und Sprudel Zubereitung Granatapfelsaft mit Zucker und Gewürzen ca. 45 Minuten köcheln und einreduzieren. Dann 12 Stunden ziehen lassen. Abseihen (ergibt ca. 100 ml), auf 4-6 Gläser aufteilen und mit Sprudel (Sekt etc.) aufgießen.

Fotos: Jürgen Pletterbauer

Hier gehts zur pdf Version des Weihnachstmenu für Spätentschlossene:

20181221 R Guter Plan

 

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Dr. Bianca Gusenbauer-Hoppe

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