ZEREMONIEN, FESTE, KOSTÜME

ZEREMONIEN, FESTE, KOSTÜME

 

Die letzte große Ausstellung, die sich mit der Porzellanskulptur der Wiener Manufaktur befasste, wurde 2009 vom Marton Museum, Zagreb für die Ausstellung im Sèvres Museum, Paris ausgerichtet. In Anlehnung an den in der Porzellangeschichte heute einmaligen, denn umfangreich erhaltenen Tafelaufsatz von Wiener Porzellan, der heute im MAK/Museum für Gegenwartskunst verwahrt wird, wurden auf einem nachgebildeten, verspiegelten Surtout bunt staffierte Figurengruppen unterschiedlichster Thematik arrangiert. Die im Gegensatz dazu allesamt weiß belassenen Figuren des Zwettler Tafelaufsatzes sind auf Grund ihres Bestelldatums 1767/68 für die mitunter schwierige Datierung der Wiener Porzellanfiguren quasi ein „terminus ante quem“. In der nun geplanten Ausstellung sollen allerdings erstmals die einzelnen narrativen Zusammenhänge der Kleinskulpturen aufgezeigt werden. Aus dem Besitz der seit 1962 in Wien ansässigen Kunsthändlerin Elisabeth Sturm-Bednarczyk werden rund 170 Figuren zu sehen sein, um die Gruppen der italienischen Komödie, der Callotzwerge, der Schäfer wie Kaufrufe als großes Feld der höfischen Verkleidungen zu veranschaulichen. Darüber hinaus bedienten sich die Kuratoren vor allem der Sammlung des Prager Kunstgewerbemuseums, welches sich mit rund 45 Figuren sehr leihfreudig erweist, wie auch die Porzellanausstellungen in Hohenberg und Berlin bereits zeigten. Das Marton Museum, Zagreb kann mit seinen Beständen wichtige Zyklen, wie beispielsweise der mythologischen frühen Einzelfiguren auf Rocaillensockeln komplettieren. Etwa 30 Stücke aus ungenannten Privatbesitz ergänzen das Panoptikum der verkleideten Höflinge zu Tisch. Der hierzu geplante Katalog basiert auf dem bereits 2007 herausgegebenen Buch „ ZEREMONIEN, FESTE, KOSTÜME. DIE WIENER PORZELLANFIGUR IN DER REGIERUNGSZEIT MARIA THERESIAS“, welches auf die Recherchen der in Rom als freie Kunsthistorikerin tätigen Dr. Elisabeth Sladek, zurückgreift. Allerdings soll hier das reichhaltige Bildmaterial von über 350 Figuren der Wiener Porzellanmanufaktur zwischen den Jahren 1744 bis etwa 1770 übersichtlicher geordnet werden. Mit Hilfe von nur aus der Fachliteratur bekannten Figurenabbildungen in Schwarz Weiss soll ein möglichst vollständiges Bild der für den heutigen Betrachter manchmal schwer lesbaren Inhalte verständlich vermittelt werden. Der Liebhaberin des Wiener Porzellans und Initiatorin der Ausstellung Frau Sturm-Bednarczyk ist es wichtig die Zurückhaltung des Wiener Hofes im Vergleich zu Paris, Dresden oder gar auch Warschau aufzuzeigen, welchen sie durch die ewige Feindschaft der Höfe zueinander zu erklären sucht und wünscht sich ein neu entflammbares Interesse für dieses fragile Material, welches heuer sein 300 jähriges Jubiläum seit der Erfindung in Europa feiert.

Fotocredit: Baumgruppe mit Merkur, Kaiserliche Porzellanmanufaktur Wien, um 1750, Höhe: 34,5 cm; Photo: Ondrej Kocourek, Umprum Praha

Bei dieser außerordendlichen Gruppe aus Wiener Porzellan wird der Götterbote Merkur als schöner Jüngling mit feinen Gesichtszügen und athletischem Körper charakterisiert. Nahezu schwerelos erzählt sein Habitus von der Dynamik seines Berufes. Genius als lieblicher Putto und ein Hahn als kampfeslustiger Begleiter stehen dem geflügeltem Götterboten zur Seite. Als rundansichtig angelegte Gruppe erinnert die manieristisch angelegte Konzeption eher an oberitalienische Vorlagen von Giovanni Giuliani (1663-1744) oder Johann Stanetti (1665-1725) als an die klassische Wiener Ausbildung an der Akademie unter Georg Raphael Donner. Hier gelingt der Versuch die Wiener Porzellanfigur als Skulptur und nicht nur als kunstgewerbliches Erzeugnis neu zu definieren. Eine ab 3. Dezember 2010 im Liechtensteinmuseum geöffnete Ausstellung soll diesen Aspekt der heute in Vergessenheit geratenen Tafelkultur in Erinnerung rufen.

Meine Leihgaben als auch Texte im Katalog sind Beitrag genug.

ZEREMONIEN, FESTE, KOSTÜME. DIE WIENER PORZELLANFIGUR IN DER REGIERUNGSZEIT MARIA THERESIAS

  1. Dezember 2010 – 26. April 2011

LIECHTENSTEIN MUSEUM

Fürstengasse 1

1090 Wien

Tel.: +43 1 3195767-0

www.liechtensteinmuseum.at

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