„Fragen an die Sardine“ bei POP CHOP



Fragen an die Sardine
Um 1900 waren Sardinen so salonfähig, dass man den kleinen Fischchen eigene Bestecke und Tafelgeräte widmete. Um die fragilen Fischchen aus der Dose unbeschadet auf den Teller zu heben, entwickelte man um 1900 sogar ein eigenes Tafelgerät.
Warum heißen die Sardinen Sardinen?
Besonders die Mittelmeerregion begeisterte sich für das kleine Fischchen aus der Familie der Heringe. Der Name „Sardine“ stammt vom lateinischen Wort „sarda“, das Hering bedeutet. Auch der geographische Fundort weist auf den Ursprung hin: Sardinien.
Sardinendose?
Der Begriff „Sardinendose“ bezeichnet in klassischen Sinn so eine Konserve, in der kleine Meeresfische in Reihe und Glied eingelegt sind. Diese Sardinen werden meist in Sonnenblumen- oder Olivenöl konserviert und sterilisiert, was ihre Haltbarkeit deutlich verlängert. Sardinendosen sind eine traditionelle und weltweit verbreitete Art, Sardinen haltbar zu machen und anzubieten. Man findet sie in verschiedenen Sorten und Geschmacksrichtungen. Die Sardinendose meint primär die klassische Konservendose mit Sardinen als Inhalt.
Im Zusammenhang von historischer Tafelkultur sind allerdings Dosen aus Silber, Alpacca (versilbertem Metall) oder auch Keramik gemeint, deren Deckelknauf meist auch die Verwendung verrät. Ein plastischer Fisch oder gar ein spielendes Pärchen erzählen dem kundigen Gast vom Inhalt des Kredenzten. Diese Sammlerstücke sind rechteckig und haben meist einen Glaseinsatz.
Keramik-Sardinendosen, die das Aussehen einer Sardinendose künstlerisch nachahmen, verbreiten ebenfalls Heiterkeit bei Tisch. Villeroy & Boch, Wächtersbach sind deutsche Produzenten von Jugendstil-Keramik, die für marinierte Heringe eigene Gefäße anboten. Die originellsten Heringdosen hatte allerdings die Steingutfabrik von Theodor Paetsch aus Frankfurt an der Oder im Angebot, wie sein Firmenkatalog von 1900 belegt. Für Überraschungen sorgen heute Ideen wie Schokoladendosen, die stilisiert wie Sardinendosen aussehen, aber essbare Schokolade enthalten.
Sardinenzange?
Sardinenzange ist als Greifer gestaltet und dient dazu, einzelne Sardinen aus der Dose herauszunehmen. Sie hat oft dekorative, kunstvolle Griffe in Gestalt von Fischen und war vor allem in der gehobenen Tafelkultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verbreitet.
Familie der Heringe. Meist treten sie in Schwärmen auf. Besonders gern um Sardinien. Durch die Erfindung der ersten Konservendose 1810 durch Pierre Durand für die napoleonische Armee, konnten auch diese Kerlchen haltbar gemacht werden. Auch das österreichische Unternehmen von Arthur Krupp wusste um diese Befindlichkeit seiner Kunden und formte eine mehr als gelungene Sardinendose mit Wellenoptik, die das Wasser als Habitat des Fisches aufgreift. Ein besonders seltenes Jugendstil-Sammlerstück übrigens. Der alte Firmenkatalog der englischen Firma für plattierte Ware, Walker & Hall aus London dokumentiert solcherlei Dosen eindeutig für Sardinen.
Sardinenheber?
Der Sardinenheber ist ebenfalls ein spezielles Besteck und ähnelt einer flachen Kelle mit der die Sardinen aus der Dose gehoben werden. Auch hier soll das Fischlein tunlichst nicht beschädigt werden, sondern als Ganzes mit abgetropftem Öl auf dem Teller vor dem Gast landen. Skandinavische Design des Midcentury verwenden Edelstahl mit Teakholzgriffen, um dieser auch im Norden verbreiteten Esslust zu fröhnen. Der Sardinenheber ist bis heute in Gebrauch, die Zange ist eher ein Sammlerstück, immerhin mit sehr dekorativem Charakter.
Stillhering?
„Stillhering“ meint bei den Nordlichtern eine bestimmte Art von Hering oder seine Zubereitung, oftmals mariniert, somit servierfertig und für den Verzehr ohne Erhitzung gedacht. Das Adjektiv „still“ sagt dem Konsumenten, dass der Hering nicht mehr fangfrisch ist, sondern bereits verarbeitet wurde. Um den Fisch zu braten, bietet der skandinavische Vintagemarkt bezaubernde, denn
Operakällaren im Stockholmer Opernhaus.
Revival der Sardine?
Einst „Arme Leute Essen“, hat die Sardine, zum Beispiel mit Jahrgangssardinen den Siegeszug bei Tisch geschafft. Doch noch gelungener sind diese liebevollen Zeugen vergangenen Tafelkultur als historisches Objekt.
Salonfähig?
Stilvoll mit einem antiken Sardinenheber oder in einer hübschen Sardinendose serviert, sind Sardinen durchaus gelungene und beliebe Hauptdarsteller bei Tisch, meint die Tafelkulturistin Annette Ahrens.
Jakob Glatz (Hg.) Das große Nuri Sardinen Kochbuch, Wie der Fisch in die Dose und aus der Dose auf den Teller kam, Wien 2023
Annette Ahrens – Als Kunsthistorikerin begeistert mich das Wissen um die Geschichte historischer Tafelkultur, jedoch beobachte ich stets die zeitgenössischen Einflüsse und versuche diese in Einklang mit unserem historischen Gewissen zu bringen. Mich faszinieren ausgefallene Besteckformen und ich bin nicht verlegen, wegen eines Schnurrbartlöffels rund um die Welt zu reisen. Als Tafelkulturistin bin ich online unter www.annette-ahrens.at zu finden.