Fa. Leopold Palda, Wien – Was wurde zuerst hergestellt? Das Glas oder das Metall?

Fa. Leopold Palda, Wien – Was wurde zuerst hergestellt? Das Glas oder das Metall?

Immer wieder gelangen Karaffen in meine Hand, die mich auf Grund des “animalischen Ausdrucks” begeistern. Oft frage ich mich, wer wohl der Hersteller war, da weder Glas noch die Montierung gemarkt sind. Verwunderlich, denn sowohl die Form des Glases als auch die Metallarbeit sind aufwendig und daher gerne erhalten. Das Glas dürfte wohl  nur mit einem Aufkleber gekennzeichnet worden sein, welcher vom neuen Eigentümer meist entfernt wurde. Das Glas hatte wohl mehrere Abnehmer, da die Montierung an das Glas angepasst wurde. In diesem Fall eben von der Glas- und Alpakasilberwaren-Manufaktur von Leopold Palda in Wien, VI/56., Windmühlgasse Nr.7.

Abbildung: In der Marke führt der Betrieb von Karl Palda in Hajda die Entenkaraffe. Klar, dass es sie auch im Programm hatte.

Palda Karel – Bor (Haida), Neuer Ring Nr. 187: Glasraffineriebetrieb und Export. Firma gegründet 1920, aufgelöst 1945. Produktion von geschliffenem, graviertem und bemaltem Gebrauchs- und Luxusglas – Trinkglas- und Toilettengarnituren, Flakons mit Metallmontierung. Zur Zeit des Art-déco-Stils eine gestalterisch sehr hochwertige Produktion nach Entwürfen von Alexander Pfohl jun. und der Glasfachschule in Bor. Nach 1918 lernten und arbeiteten in dem Raffineriebetrieb zahlreiche Tschechen, die der Arbeit wegen ins Grenzgebiet kamen. Im Jahr 1920 waren 40 interne und ca. 100 Handwerker in den Heimwerkstätten beschäftigt.

Abbildung: Eine 1939 datierte Rechnung der Glas- und Alpakkawaren- Manufaktur Leopold Palda zeigt die Vielfalt metallmontierte Objekte. Die Adresse wird mit Windmühlgasse 7 in 1060 Wien angeführt. (Quelle: Fundus Annette Ahrens)

Handelsvertretungen in London, Mailand, Hamburg, Wien und Barcelona. Export in alle Erdteile. Regelmäßige Teilnahme an der Messe in Prag und Leipzig.

Aus der Geschichte: Seit 1888 (laut Registrierung aus dem Jahr 1898) hatte Karel Palda Lager in Wien, wo er ein Geschäft mit Porzellan und Glas, das in Bor erzeugt wurde, besaß. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete er in Bor einen Glasraffineriebetrieb in den Objekten der ehemaligen Firma Czech und später Stölzles. Bald vergrößerte er ihn durch Betriebsstätten in Arnultovice (Arnsdorf), Janov (Johannesdorf) und Chotovice (Kottowitz). Um 1938 leitete die Firma sein Sohn Jaroslav Palda, der wiederum die Produktion um eine Schleiferei in Jihlava (Iglau) erweiterte. Im Jahr 1945 wurden die Betriebe der Firma Karel Palda in Bor mit der Produktion von Leopold Palda vereinigt und nach Kamenický Šenov (Steinschönau) verlegt. (Quelle: „GLAS 1880 – 1930, Novy Bor und Umgebung“, 2001, S. 83)

Abbildung: Ein 1955 datierter Foto-Katalog vom Glaswarenfabrikanten Leopold Palda zeigt metallmontierte Objekte. Die Adresse wird mit Windmühlgasse 7 in 1060 Wien angeführt. (Quelle: www.glas-musterbuch.de)

Abbildung: Katalog von Karl Palda, Haida, wohl um 1930.

Abbildung: Katalogseite von Karl Palda, Haida, Böhmen um 1920

Abbildung: Elefant, Christian Sander Wien um 1830

Bereits im Biedermeier waren die massigen Lastenträger ein beliebtes Bildmotiv auf der Tafel. Die Silberarbeit stammt vom Silberschmied Christian Sander (Punze CCS), Wien um 1830. Das hier fehlende Glas wurde wohl aus Böhmen zugekauft. Es besteht aus zwei Essig/ Ölflaschen, einem Senffass und einem Gewürzstreuer, diese beiden Gefäße hatten wohl auch eine Silbermontierung.

Abbildung: Schnitt eines Elefanten der Fa. Lötz, um 1900

 

 

Abbildung: Elefant der Fa. Lötz, um 1930, Länge 16 cm, Höhe 11 cm Lit.: Böhmisches Glas 1880 bis 1940 / Böhmisches Glas 1880 bis 1940, Prestel 1994.

Abbildung: Aber auch bei der Fa. Lötz wurden Gläser bestellt. Unter den Auftraggebern wird Karl Palda, aus Haida aufgelistet. (Auszug aus Ricke/Ploil, Lötz, Böhmisches Glas 1880-1940, Band 2, Katalog der Musterschnitte,München 1989, S. 577). Die Produktionsnummer 4824/1 wird auf 1929 datiert.