Moritz Hacker und seine Metallwarenfabrik

Moritz Hacker und seine Metallwarenfabrik

Die Firma von Moritz Hacker (geboren am 6. März 1849, gestorben am 19. September 1932) wurde im Jahr 1879 gegründet. Die erste Eintragung ins Handelsregister Wien ist am 7.3.1882 belegt, wo die vormalige Adresse der Chinawarenfabrik Conraetz dokumentiert ist. Seine Beteiligung an der niederösterreichischen Gewerbeausstellung 1883 wird positiv rezenziert, denn er böte seine Objekte aus hartem Metall an, während “draussen vielfach die figuralen Gusstheile aus Zinn verfertigt werden.”

1896 Zweigstelle in Budapest, Váczi utca 36

1901 als k. u. k. Hoflieferant in der Wochenschrift Gewerbeverein 1901, S. 196 vermerkt

1913 Eintritt von Alfred, Cornel und Erwin Hacker

1932 Tod von Moritz Hacker

1938 Komissarischer Vewalter Leopold Hartl

1940 Übertragung an Alwin Wagner

1945- 1954 öffentliche Verwaltung von Franz Chroust

1973 Firmenlöschung

Anlässlich des 55 jährigen Firmenjubiläums erscheint im Jahre 1934 ein Katalog mit rund 42 Seiten. Dieser ist nur ein kleiner Auszug seines großen Fabrikationsprogrammes, daher wirbt die Firma mit seinem Zentralmusterlager im Hacker-Silberhof in der Operngasse 2.

Abbildung: Verkaufsprospekt von Moritz Hacker, Chinasilber-, Alpacca-Waaren-Fabrik, Niederlage: I, Operngasse 2., datiert um 1890.

In der zeitgenössischen Zeitschriftenlandschaft lassen sich zahlreiche Beilagen von Moritz Hacker nachweisen. Das Prospekt zeigt gängige Besteckformen, die auch von anderen Anbietern im Programm waren: Eselsrücken (Mitte) und Augsburger Faden (ganz rechts). Die altertümliche, gerade, als deutsch bezeichnete Klinge wurde später von der französischen, geschwungenen Klinge abgelöst. In der Zeit um 1890 waren die Klingen meist noch nicht rostfrei, was in der Pflege einer besonders schnellen Reinigung bedarf. Doch das hierfür angestellte Personal hatte entsprechende Erfahrung mit der Handhabung.

Abbildung: Kuvert von Moritz Hacker, Silber-, Alpakkasilber- u. Chinasilberwaren-Fabriken, HACKER-SILBERHOF, Wien I, Opernhof Nr. 25. Datiert um 1930 (Quelle: www.briefmarken-forum.com)
Abbildung: Auszug aus einem Firmenkatalog der Firma Moritz Hacker, 1934 (Privatbesitz)

Abbildung: Tafelaufsatz, signiert: Hacker, H 42 cm (Quelle: Annette Ahrens Tafelkultur)
Foto: Todesanzeige von Kommerzialrat Moritz Hacker vom 19. September 1932

 

Moritz Hacker, tätig um 1908

Beruf: Metallwarenfabrik Gewerbe Allg.: “Die Firma Conraetz & Cora, dann Conraetz & Reuter, die jetzige Firma Moritz Hacker errichtete als erste in Österreich und unter Mitwirkung des berühmten Galvanoplastikers Schuh eine galvanische Versilberung ein. Die auf elektrolytischem Wege versilberten Metallwaren erhielten den Namen “Chinasilber” (Gross-Industrie) Werkstatt von: Wilhelm Conraetz (um 1847- nach 76- vor 86) und Richard Reuter (1869-72) Werkstatt an: um 1950 (?): J.C.Klinkosch A.G

Adressen: IV, Phorusplatz 7 (1914-1922)

Bei der Werkbundausstellung von Juni bis Oktober 1930 wird seine Adresse im Verzeichnis der Aussteller mit Operngasse 2, 1010 Wien angegeben.

Abbildung: Kredenzaufsatz der Firma Moritz Hacker, Auszug aus einem Firmenkatalog von 1934 (Privatbesitz)

Verwendete Marken:

In einem 1930 zu datierenden Katalog der Firma Hacker macht er auf die unterschiedlichen Bezeichnungen aufmerksam: Bestecke und Tafelsilber auf Basis 96 Gramm Silberauflage tragen die voll ausgeschriebene Schutzmarke:

Abbildung: Wortlaut “HACKER” im Rechteck

11a versilbertes Besteck und kunstgewerbliche Metallwaren sind mit der Kurzmarke M.H. im Rechteck gekennzeichnet. Unversilbertes Alpacca wird als solches auch bezeichnet:

Abbildung: Wortlaut “HACKER ÉS TÁRSA”

Weiters ist eine ungarisch-sprachige Marke mit dem Wortlaut “HACKER ÉS TÁRSA” (dt.: Hacker und Partner) bekannt, ab 1896 hatte Hacker eine Zweig-Niederlassung in Budapest in der Vaci utca 36 eröffnet.

Abbildung: Individualisierte, stahlfreie Messerklingen in französischer /geschweifter Form aus Solingen mit dem Wortlaut “HACKER”, wohl um 1920

Rostfreie Klingen wurden aus besten rostfreien Ferroplatinstahl geliefert. Diese sind nicht nur gegen den Einfluß von Speisesäuren, Obst, Essig, Senf unempfindlich. Bei Stumpfwerden können diese nachgeschliffen werden. “Kein Schmiergeln oder sofortiges Reinigen der Klingen mehr”, wird in der Broschüre von 1930 als enorme Zeit- und Kostenersparnis angepriesen.

Abbildung: Marke “HACKER” in Kombination mit dem Bestimmungsort der Deckelterrine: “Park Hotel Villach”, (Privatbesitz Annette Ahrens Tafelkultur)

Abbildung: Marke “HACKER” in Kombination mit dem Bestimmungsort des Flaschenuntersatzes: “Südbahnhotel Semmering”, Foto: Annette Ahrens Tafelkultur.

Abbildung: Fotografie einer Jardiniere aus Zinn nach einem Entwurf von Friedrich Letniansky (1. 10. 1875 – 31.7. 1916), ausgeführt von Moritz Hacker (insgesamt 67 Fotografien von Objekten der Winterausstellung im k. k. Österr. Museum 1903/1904 des MAK Inventarnummer: KI 7571-42

Fotograf: Wilhelm Gmeiner (1. 10. 1875 – 31.7. 1916) Wien, 1903 (siehe Starl, Timm. Lexikon zur Fotografie in Österreich 1839 bis 1945: S. 153)
Ausführung des abgebildeten Werks: Moritz Hacker, vor 1903

Bei der Ausstellung österreichischer Kunstgewerbe im Jahre 1909/1910 zeigt Moritz Hacker im Museum für Kunst- und Industrie unter Katalognummer 523 ein Teeservice. Weitere Ausstellungsstücke sind ein Kaffeeservice, ein Mokkaservice, eine Salatschüssel, eine Jardinière mit Blumen, 2 Fruchtschalen, als teuerstes Objekt einen Suppentopf für 12 Portionen (150,– Kronen), Eierbecher, eine Eiereinschlagschale, eine Beilagenschale mit Glocke, Fischschüssel, Fischvorlegebesteck, eine Rostbratenkasserolle, ein Senfgestell, Pfeffer-Salz mit Tulpe, eine Kompottschale, einen Champangnerkühler, einen Essig-Öl, einen Kaviarteller, eine Eierspeispfanne, eine Gemüseschüssel, 2 Schüsseln, eine Saucière, einen Brotkorb, ein Fischeßbesteck und einen Champagnerglaskühler (Katalog Seite 84-86

Quellen: Die Gross-Industrie Österreichs. Bd. 1. Wien 1908. S. 83f;

Abbildung: Grabstelle am Wiener Zentralfriedhof Gruppe 50, Reihe 59, Nr. 23 (Quelle: Wikipedia, Mai 2020)

Literatur:

Halama, D.: Die Gold-,Silber- und Metallwarenfabrik J.C.Klinkosch in Wien (1797-1972). Mit besonderer Berücksichtigung der Reiterstatuetten als Renn- und Ehrenpreise von 1875 bis 1914. Phil. Dipl.Arbeit, Univ.Wien 1995; N I, 226;

Waltraud Neuwirth: Blühender Jugendstil. Band II. Wien 1991, S. 251 ff.

Dedo von Kerssenbrock-Krosigk and Claudia Kanowski, Modern Art of Metallwork (Berlin: Bröhan Museum, 2001), 1-598.

Andrea Hodoschek: Das tragische Schicksal der vertriebenen Familie Hacker, Kurier 9. August 2015, S. 6.