František Bibus, der tschechoslowakische Produzent von versilberten Waren

František Bibus, der tschechoslowakische Produzent von versilberten Waren

Zur Einführung von versilberten Waren auf tschechoslowakischem Boden kam es erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Hauptzentrum der Produktion war Moravská Třebová (dt.: Mährisch-Trübau), wo im Jahre 1883 der Unternehmen František (Franz) Bibus (geboren in Lanškroun (dt-: Landskron) 11. September 1860 – 12. September 1944 – Moravská Třebová) seine Silberwarenfabrik gründete. Nach dem Jahre 1890 bot er ein schon verhältnismäßig breites Sortiment an Silberwaren an: Dosen, Zigarrenspitzen, Zigarren- und Zigarettenetuis, Feuerzeuge, Tabletts und Aufsätze. Im Jahre 1908 ist  die Herstellung von Besteck belegt.

Abbildung: Postkarte von Mährisch Trübau, Vogelperspektive um 1910

Ab dem Jahr 1913 begann die Firma F. Bibus mit der Herstellung von versilberten Waren und setzte als Firmenmarke eine wehende Flagge mit dem Buchstaben B (für den Nachnamen Bibus) fest.

 

Abbildung: Marke für plattierte Ware (ab 1913) und Silberobjekte von Franz Bibus (um 1930)

Abbildung: Bibus bestellte in Solingen sogar gelabelte Stahlklingen für seine Silberbestecke (Quelle: www.ustar.cz)

Abbildung: zwei Tabletts mit Hammerschlagdekor von F. Bibus, um 1930, (Annette Ahrens Tafelkultur)

1. tschechische Republik

Nach dem 1. Weltkrieg erweiterte F. Bibus  seine Erzeugung und wurde zum größten Alpaccawaren-Hersteller der tschechischen Republik. In dieser Zeit beschäftigte er schon mehr als 100 Mitarbeiter. Neben Alpaccawaren erzeugte die Firma auch große Service aus Silber, darunter auch größere Stücke wie Teekannen, Aufsätze und Kompottschüsseln. Diese Tafelgeräte wogen nicht selten über ein Kilo.

Abbildung: Kleine Deckelterrine, Silber, Ebenholz. Hammerschlagdekor. Runde gebauchte Form, getreppte Mündung, gewölbter profilierter Deckel, 12-fach facettierter Ebenholzknauf, flacher Teller mit ausgestelltem umgebördeltem Rand, zwei halbrunde Ebenholzgriffe. H.: 14 cm, Ø 18 cm, Teller 19,5 cm. Bez.: Feingehaltsmarke 800, Dreiecksmarke und Werkstattmarke FB. Um 1928 (Annette Ahrens Tafelkultur)

Die von führenden Künstlern der Zeit entworfene Produktpalette gehobener Tafelkultur hatte großen Erfolg. Besonders Objekte mit Hammerschlag-Dekor erzielen bis heute am Kunstmarkt hohe Preise unter Sammlern. Leider sind bisher keine signierten Entwurfszeichnungen bekannt, die die qualitätsvollen Arbeiten einzelnen Künstlern zuordnen. Klar scheint nur, daß František Bibus selbst mit seinen 200 Angestellten nicht für die Entwürfe verantwortlich zeichnet, wie oft fälschlicher Weise in der Literatur beschreiben wird. Um so wertvoller erscheinen mir zwei in meinem Besitz erhaltene Produktionskataloge, die mit schwarz weissen Fotografien das breite, denn tatsächlich produzierte Sortiment dokumentieren.

Abbildung: Werbeanzeige aus dem Jahre 1923 von Fr. Bibus & Söhne in Mährisch Trübau, gegründet 1883.

Die Anzeige von 1923 wirbt mit 250 Angestellten und einer Maschinenkraft von 200 PS.

Abteilung I. : Zigarettenetuis, Silberne, Tula Silber und aus Alpakka, Etuis für Tabak.

Abteilung II.: Ess- und Luxusbesteck aus Silber und Alpakka,

Abteilung III. Tafel und Luxussilber aus Silber und Alpakka, Spezialität: schwere Artikel fürs Hotelgewerbe.

 

Girandolen_bibus

Vor dem zweiten Weltkrieg hieß die Firma F. Bibus und Söhne. In den Jahren 1939 – 1945 mußte die Firma kleine Teile für die Deutsche Luftwaffe herstellen, in dieser Zeit hatte der Betrieb über 200 Angestellte. Gleich nach dem 2. Weltkrieg, ab dem 10.5. 1945 erreichte den Betrieb der nationale Bescheid und am 20.8. 1946 wurde der Betrieb F. Bibus nationalisiert und dem Konzern Sandrik einverleibt. Sandrik bestand aus vereinigten Betrieben der Silber- und Plattierwarenherstellung, wie beispielsweise der Firma Josef Linhart, vorher Cihlasrska 8, der Firma LUG & MATZAK und der Firma BRI MAZAKOVA, Osvoboditela Straße in Mährisch Trübau. Der Nationalbetrieb Sandrik hatte seine Direktion in Bratislava. Die Produktion der drei kleinen Betriebe wurde 1949 völlig eingestellt, die Maschinen als auch Firmenangestellten wurden in die ehemalige Bibus Dreherei überstellt. 1950 wurde die Herstellung von silbernen Waren zugunsten von Produkten aus rostfreiem Stahl und und vernickeltem Messing eingestellt.

Abbildung: Die Firmenadresse Lanškrounská 74 damals und heute in Mährisch Trübau

Abbildung: Villa des Firmengründers Franz Bibus in Mährisch Trübau (Quelle: Slavne vily na Morave)

Abbildung: Postkarte mit dem Guss aus Mährisch Trübau, um 1910

Abbildung: Grab des Firmengründers Franz Bibus in Mährisch Trübau

Die Erneuerung des Grabsteines auf dem Friedhof von Moravská Třebová erfolgte im Jahre 2002 durch die Firma Toner, welche die Tradition der Tafelkultur in seinem Sinne weiterführt. Der Name TONER setzt sich aus dem tschechischen Wort TOvarna (Fabrik) und nerezu (von rostfreiem Stahl) zusammen.

Literatur:

METALLKUNST DER MODERNE, Bestandskatalog VI des Bröhan-Museums, bearb. von Dedo von Kerßenbrock-Krosigk mit Beiträgen von Claudia Kanowski und großformatigen Farbfotografien von Martin Adam. 600 Seiten, 495 Katalogeinträge mit Markenabb., 511 Farbfotografien, 27 weitere Abb., Leipzig 2001, Seite 553.

Dana Stehliková, Encyklopedie Českého zlatnictví, střibrnictví a klenotnictví, Prag 2003, Seite 55.

Anna Grossová, Zlatnictví a stříbrnictví v Moravské Třebové. Nejen o osudech fy. Franz Bibus & Sohn, Vlastivědný věstník moravský Brno : Muzejní a vlastivědná společnost v Brně, 2008 464 s. 0323-2581. 60, č. 1, (2008,) s. 48-57.

 

Kontakt:

TONER s.r.o.
Lanškrounská 74
P.O.Box 56
Moravská Třebová 1
571 12

+420 461 354 111

sales@toner.cz