Mein Leopold für Erzherzogin Leopoldine, Furchtlos nach Rio

Mein Leopold für Erzherzogin Leopoldine, Furchtlos nach Rio

Ich freue mich sehr die hochkarätige Ausstellung im Porzellanmuseum im Augarten wieder mit Leihgaben ergänzen zu dürfen.

AUSSTELLUNG ZU EHREN ERZHERZOGIN LEOPOLDINAS, DER SPÄTEREN KAISERIN VON BRASILIEN

28. JUNI 2022 BIS 19. NOVEMBER 2022 im Porzellanmuseum im Augarten

Erzherzogin Maria Leopoldine von Österreich wird am 22. Januar 1797 in der kaiserlichen Hofburg zu Wien geboren. In einer regnerischen Sommernacht 1817 gibt der portugiesische Gesandte, António Luís de Meneses, Marques deMarialva, im Augarten ein glanzvolles „Brasilianisches Ball-Fest“ für die Kaisertochter, wurde sie doch kürzlich mit Dom Pedro, dem Thronfolger des Vereinigten Königreichs von Portugal, Brasilien und Algarbien vermählt. Erzherzog Carl vertrat den fernen Prinzen. Demnächst sollte Leopoldine die abenteuerliche Schiffsreise nach Rio de Janeiro antreten, begleitet von träumerischen Visionen des unbekannten Bräutigams und der ersehnten Naturwunder Brasiliens.

Abbildung: Kanne mit Deckel in Form einer antiken griechischen Oenochoe (Weinkanne), bemalt mit brasilianischem Achat (Privatsammlung)

Fünf Jahre später, am 2. September 1822, beruft Dona Leopoldina ihren Ministerrat ein und beschließt die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal. Sie wird Kaiserin, bis heute verehrt. In Österreich ist sie weitgehend vergessen, schon zu Lebzeiten werden die über den langen Seeweg beförderten Nachrichten der Familie aus Wien zunehmend rar.

Wer war Leopoldina? Wer beeinflusste ihre Entwicklung zur geistvollen politischen Akteurin im Dienst der Freiheit? Anlässlich des 200jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit Brasiliens begibt sich das Porzellanmuseum im Augarten auf Spurensuche.

Abbildung: Joseph Kreutzinger (1757 – 1829), Kaiser Franz II. (I.) mit seiner Familie, Leopoldina steht neben ihrer Mutter, Kaiserin Maria Theresia, Tochter Maria Carolinas von Neapel-Sizilien, 1805

Das familiäre Umfeld ist naturwissenschaftlich höchst interessiert und politisch im Zwiespalt. Sie wird hervorragend ausgebildet und bewundert die Musik Beethovens und Schuberts. Ihre Mutter und zwei Stiefmütter sind starke Wegbegleiterinnen. Leopoldina erlebt Traditionen und Wandel, Napoleon, Metternich und Goethe sowie den Wiener Kongress. Der Standort des Porzellanmuseums ist durch das prächtige Fest des 1. Juni 1817 untrennbar mit Leopoldina und ihrem Status zwischen den beiden Welten, Wien und Rio, verbunden.

Diesen historisch-realen und zugleich persönlich-imaginären Moment interpretiert eine sensible Installation der brasilianischen Künstlerin Georgia Creimer.

Abbildung: Büste Kaiser Leopold II. (1747 – 1791), Biskuitporzellan auf Sockel, Anton Grassi zugeschrieben, Porzellanmanufaktur Wien (17)91, Höhe 53 cm (mit originalem Sockel)

Welche Rolle spielt das Porzellan? Die Wiener Manufaktur produzierte Ansichten der Residenzstadt Wien sowie kunstvolle Bildnisse der kaiserlichen Familie als private und diplomatische Geschenke. Leopoldinas Vater, Kaiser Franz I. (II.), orderte Dessertteller mit botanischen Motiven nach den Entdeckungen der Brasilien-Expedition. Porzellane im Zeitgeist zwischen Aufklärung und Vormärz spiegeln unter anderem die Sammelleidenschaften des Kaiserhauses für Konchylien und Mineralien. (Text: Dr. Claudia Lehner-Jobst, Porzellanmuseum im Augarten, Wien 2022)

Abbildung: Die geliebte zweite und dritte Mama (die Stiefmütter Leopoldinas), Kaiserin Maria Ludovica Beatrix sowie Kaiserin Caroline Auguste, auf Tassen der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur, Wien (Sammlung Marton, Samobor)

www.augarten.at